18.08.2016 09:03

Nachsteuererhebung in Erbfällen


Gemäss geltendem Recht (direkte Bundessteuer und Steuerharmonisierungsgesetz) steht den Erben die Möglichkeit der vereinfachten Nachbesteuerung offen. Diese Möglichkeit ist bei Tod des einen Ehegattens jedoch eingeschränkt.

Der Fall: Die Eheleute haben in ihrer Steuererklärung nicht sämtliche Bankguthaben und Wertschriften deklariert. Ein auf den Ehemann lautendes Depot wurde nie aufgeführt, wodurch das zu versteuernde Einkommen und vor allem das Vermögen zu tief ausgewiesen wurde.

Ende 2015 ist die Ehefrau unverhofft verstorben. Die gemeinsamen Kinder erhalten durch diesen Todesfall erstmals Einblick in die Finanzlage der Eltern. Dabei bemerken sie die unvollständige Deklaration. Sie sind sich sofort einig, von der Möglichkeit der vereinfachten Nachbesteuerung, welche nur einen Zeitraum von 3 Jahren, in diesem Fall von 2012 – 2014 umfasst, Gebrauch zu machen. Dadurch werden für die letzten 3 Jahre die Vermögenswerte samt den Erträgen nachbesteuert, Strafsteuern werden keine ausgelöst.

Das Steueramt wird durch die Erben über die falsche Deklaration informiert und bestätigt den Eingang der Nachdeklaration. Nach einigen Wochen werden die Erben über das Verfahren informiert und sehen sich einer neuen Situation gegenüber. Was haben Sie übersehen?

Die Konsequenzen: Der Ehegatte der Verstorbenen hat in der Steuererklärung das auf seinen Namen lautende Depot nicht deklariert. Dieses Vermögen hat sich immer in seinem Eigentum befunden, wodurch er für diese Vermögenanteile nicht die vereinfachte Nachbesteuerung in Anspruch nehmen darf und deshalb der Zeitraum für die Nachbesteuerung 10 Jahre umfasst.

Richtigerweise müssen die Erben in dieser Konstellation neben dem vereinfachten Verfahren auch das für hinterzogene Bestände übliche Verfahren der straffreien Selbstanzeige einleiten.


Park Consulting AG